Ende 2008 hat er aufgegeben - Arno Behrend. Er hat keine Gründe genannt, und es soll hier auch nicht spekuliert werden, weil es eigentlich nicht wichtig ist. Wichtig ist, dass es gelungen ist, STORY CENTER als Einrichtung, Institution und - durchaus erhaltenswertes - Etwas dahin gehend zu retten, dass mindestens eine weitere Ausgabe produziert und präsentiert werden darf, um zu zeigen, wie man ein STORY CENTER auch machen kann. ‘Auch’ nicht im Sinne eines ‘besser als Arno Behrend & Co.’; ‘auch’ vielmehr im Sinne eines ‘kostenfrei für den SFCD’.
STORY CENTER ist nicht mehr Arnos Baby, aber das soll nicht STORY CENTERs Schaden sein. STORY CENTER soll weitergeführt werden. Mindestens für eine Ausgabe - und eigentlich auch mehr, denn das Konzept ist einfach, für den SFCD kostenfrei und möglicherweise ein Weg, den man gehen kann, kann, nicht muss, vielleicht nicht mal soll, aber eben kann. Michael Haitel will - und Michael Haitel kann.
Tatsächlich möchte Michael Haitel in einem Rutsch gleich zwei STORY CENTER-Ausgaben in Angriff nehmen.
Die erste Ausgabe, STORY CENTER 2009, soll so zusammengestellt werden, wie Arno das auch getan hätte: Autoren ansprechen, sie bitten, mitzumachen, mitzuschreiben, dabei zu sein, zu helfen, dass aus dem nächsten STORY CENTER vielleicht nicht nur ein einfaches STORY CENTER wird, sondern ein richtig geiles Teil.
Die Storys, die erwartet werden, haben keine Themenvorgabe. Die Autoren sollen sich was zum Thema SF einfallen lassen, was Feines, etwas, das deutschsprachige SF ausmacht, etikettieren kann, etwas, das vielleicht sogar so gut ist, dass das DSFP-Preiskomitee des SFCD die Augenbrauen hochlupft.
Wie Arno Behrend es gemacht hat, wird sich Michael Haitel das Material anschauen und dann evtl. ein Thema ‘drum herum’ aufbauen. Es ist aber genauso wenig auszuschließen, dass einfach eine Geschichten-Sammlung präsentiert wird. Mit schönen, guten, feinen, SFigen, deutschsprachigen Kurzgeschichten.
Das soll STORY CENTER 2009 werden. Und wenn es zur Entscheidung hilft:
ES GIBT KEINERLEI UMFANGLIMIT.
Die einzige Einschränkung ist: Es muss Science Fiction sein. Kein Horror, keine Fantasy, kein Krimi. Oder auch das, so lange die Science Fiction deutlich erkennbar zwischen den Zeilen herausleuchtet.
KEINERLEI UMFANGSBESCHRÄNKUNG.
Es gibt keinen festen Redaktionsschluss, aber im August soll mit den Arbeiten begonnen werden, damit die Ausgabe jedenfalls noch 2009 erscheint. Wer leichter arbeiten kann, wenn es einen Redaktionsschluss gibt:
15. August 2009.
Kontakt siehe unten.
Bei der zweiten Ausgabe, die dann STORY CENTER 2010 würde, gibt es eher ein thematisches Problem, wobei ‘Problem’ falsch ausgedrückt ist.
Der Auslöser zu der Idee war ein Film, der mit SF & Co. überhaupt nichts zu tun hat. ’2:37′ ist eine Geschichte, die an einer amerikanischen Schule spielt und die vielfältigen Beziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern aus immer unterschiedlichen Sichtweisen reflektiert - und das eigentliche Thema ist ‘Inzucht’, in diesem Film nicht dargestellt an dem, was man so ‘gemeinhin’ gerne als Inzucht zu identifizieren vermeint - beliebt: Vater und Tochter -, sondern zwischen Bruder und Schwester.
Aber das war, wie gesagt, nur der Auslöser, und dahin soll das Thema von STORY CENTER 2010 auch gar nicht gehen. Aber diese Idee war da -
Inzucht ist ein gesellschaftliches Thema. In unserer realirdischen Jetztzeitgesellschaft wird es i.d.R. als das Thema, das Problem (!) von einzelnen Menschen, von Personen, Individuen betrachtet, gehandhabt. Aber eigentlich ist es ein gesellschaftliches Thema, ein gesellschaftliches Problem. Denn abgesehen von biologischen Faktoren, die eine Rolle spielen (ich meine die genetischen Problematiken von Inzucht), ist Inzucht an sich als Problem einer Gesellschaft eine Definition eines Problems.
Worauf ich hinaus möchte?
Was wäre, wenn es gute Gründe gäbe, gesellschaftlich das zu zelebrieren, was wir als Inzucht ablehnen?
Was wäre, wenn es notwendig für das Überleben einer Gesellschaft wäre?
Was wäre, wenn es gleichgültig wäre?
Was wäre, wenn Inzucht ganz normal wäre (denn seien wir ehrlich: begehen wir Menschen als völlig isolierte Sammlung verschiedener ‘Unterrassen’ nicht auch Inzucht - Menschen pflanzen sich nur mit Menschen fort …)?
‘Ein diffiziles Thema’, habe ich dazu den potentiellen Autoren gemailt. ‘Und klar muss sein: Ich suche nicht nach irgendwelchen zweideutigen Storys, die Inzuchtpraktiken beschreiben. Ich suche nicht einmal - und gerade nicht! - nach Storys, die sich auf Einzelschicksale konzentrieren, und in denen es nur um diese Einzelschicksale geht. Was ich suche, sind Utopien - oder auch Dystopien -, die Inzucht als gesellschaftliches Problem, als gesellschaftliches Thema, als gesellschaftliche Frage begreifen. Und als gesellschaftlichen Rettungsanker, als gesellschaftliche Notwendigkeit.
Ich will auf keinen Fall einen realirdischen jetztzeitlichen Straftatbestand sanktionieren, heilen lassen; das ist nicht meine Absicht. Was ich möchte, das ist die andere Sichtweise, die die SF oft genug bewiesen hat. Wenn man so möchte, so möchte ich: ‘Social Fiction’.’
Und auch diesmal gilt: kein fester Redaktionsschluss, nur für die, die es brauchen:
15. August 2010.
Und auch hier gilt: KEINERLEI UMFANGBESCHRÄNKUNG.
Noch einmal aus meiner Autorenmail: ‘Zu guter Letzt möchte ich noch anmerken, dass ich eine Idee habe, STORY CENTER weiterzuführen, die ich für tragfähig halte. Wir werden alle nicht reich werden, aber alle Autoren an einer solchen Ausgabe werden von mir eine schriftliche Zusicherung erhalten, dass sie reich werden, wenn ein solches STORY CENTER mehr bringt als ein paar Euro, ich will meinen: Wenn STORY CENTER 2009 und 2010 aus irgendwelchen völlig abstrusen, unerwarteten und heute absolut unglaublichen Umständen Geld bringt, dann seid ihr, die ihr daran mitarbeitet, alle beteiligt - zu gleichen Teilen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass dieses Ziel illusorisch ist, aber ich will es einfach nicht ausschließen. Ich habe in der Tat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen (andere Geschichte, nächste Mail <g>).
Und ich möchte noch anmerken, dass ich Qualitätsansprüche anlegen werde. Die deutschsprachige SF hat mit VISIONEN Visionen verloren. Es gab gute Argumente für Helmuth Mommers, aufzuhören. Aber es war ein Verlust.
Ich wage nicht den Anspruch zu erheben, mit STORY CENTER einen Nachfolger für VISIONEN auf die Beine stellen zu können. Nicht gleich
Aber ich habe dieses Ziel im Auge, dies ist mein Weg, vielleicht unser Weg. Ich würde mich freuen, wenn viele von euch mitschreiben, mitmachen, dabei sind. Vielleicht gelingt es.’
Science Fiction Club Deutschland e.V. (SFCD)
Der Herausgeber & Chefredakteur der ANDROMEDA NACHRICHTEN
Michael Haitel
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