Die Phantastische Bibliothek Wetzlar – besser als ihr Ruf!

Am Samstag, den 19.03.2011 waren der SFCD-Vorstand und weitere Aktive des SFCD (von denen leider nur Birgit „BiFi“ Fischer kommen konnte) auf Einladung von Thomas Le Blanc, dem Vorstand der Phantastischen Bibliothek Wetzlar (PBW), zu Besuch in Wetzlar. Herr Le Blanc stand uns zu allen Themen rund um die Bibliothek ausführlich Rede und Antwort und führte uns durch das gesamte Gebäude. Ich habe insgesamt 4 A4-Seiten mitgeschrieben, aus denen ich für eine der nächsten AN-Ausgaben in Ruhe einen ausführlichen Bericht verfassen werde. Ich möchte Euch SFCD-Mitglieder aber schon jetzt über einige wichtige Dinge informieren sowie einige kursierende Gerüchte richtigstellen.

Gerücht: „Die PBW interessiert sich nicht für Fanzines.“ Falsch: Die PBW sammelt alle Fanzines zur Phantastik. Der Fanzine-Raum ist bereits beeindruckend, aber ausbaufähig. Es wurde vereinbart, daß die PBW dem SFCD eine Liste der vorhandenen SFCD-Publikationen zur Verfügng stellt und der SFCD Lücken, die aus dem Verkaufsarchiv gefüllt werden können, füllt. Birgit als Archivarin des Atlan Club Deutschland wird sich bemühen, den recht kleinen ACD-Karton kräftig großzufüttern.

Gerücht: „Die PBW verkauft Dubletten gestifteter Bücher.“ Falsch: Die PBW *darf* Bücher der Sammlung gar nicht abgeben, denn die gehören zum unantastbaren Stiftungsvermögen. Es gibt in der PBW nur 3 Stellen, an denen Bücher gekauft werden können: 1. Im Eingangsbereich können Bücher gekauft werden, die nicht zur Phantastik und daher auch nicht in die PBW gehören, ihr aber gespendet wurden. 2. Im Hauptsaal sowie im Internet unter https://www.phantastik.eu/, Menüpunkt „Publikationen“, können die Publikationen der PBW gekauft werden. 3. Im Bereich Sekundärliteratur werden im Auftrag der Internationalen Alexander Lernet-Holenia Gesellschaft Wien deren Publikationen verkauft.

Ein einmal in die Sammlung aufgenommenes Buch kann diese nur aus vier Gründen wieder verlassen: 1. Ist ein Buch durch den Gebrauch (alle Bücher können und sollen gelesen werden!) so sehr zerlesen, daß es für den Bibliotheksgebrauch ungeeignet ist *und* es ist ein weiteres Exemplar des Buches in der Sammlung, wird es aussortiert und als Altpapier entsorgt (oder an Interessierte verschenkt). 2. In besonderen Fällen ist die PBW berechtigt, ein im Bestand fehlendes Buch gegen ein im Bestand mehrfach vorhandenes Buch zu tauschen. 3. Bürger der Stadt Wetzlar sowie des Lahn-Dill-Kreises dürfen aufgrund von Verträgen mit diesen Gebietskörperschaften Bücher, die im Bestand mehrfach vorhanden sind, ausleihen. Nicht zurückgebrachte Bücher müssen vom Entleiher ersetzt werden (Wiederbeschaffung des Buches). 4. Das Buch wurde aus der PBW gestohlen.

Gerücht: „Die PBW ist elitär und will mit einfachen Fans nichts zu tun haben.“ Falsch, wie schon die Einladung an Aktive des SFCD zeigt. Die PBW wendet sich an *alle* Menschen, angefangen von Kleinkindern, die gerade mal ein Fühlbuch festhalten können – es gibt mehrere Räume speziell für Kinder. Mit Ausnahme von Herrn Le Blanc hat allerdings kein Angestellter Erfahrung mit dem Fandom, was zu Mißverständnissen führen kann, doch das ist nicht Unwillen, sondern Unkenntnis.

Gerücht: „Die PBW behauptet, sie habe zweihunderttausend Bücher, in Wirklichkeit sind das aber viel weniger.“ Falsch: Die alten Räumlichkeiten waren viel zu klein, um die gesamte Sammlung zu präsentieren, daher mußte ein Großteil in Dachböden und Kellern gelagert werden. Vor fünf Jahren wurde ein fünfstöckiges Haus bezogen, inzwischen wird die gesamte, etwa 200.000 Bücher und Hefte umfassende Sammlung präsentiert, das Gebäude kann bis zu 400.000 Bände aufnehmen. Die Sammlung ist nach Genres unterteilt (Kinderbücher, allgemeine Phantastik, Märchen/Sagen/Fabeln, phantastische Reisen, Science Fiction, Fantasy, Horror) und innerhalb dieser im Autorenalphabet sortiert, mit Anthologien und Serien am Ende.

Bücherregale in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar

Bücherregale in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar

Gerücht: „Die PBW wird vom Staat finanziert bzw. erhält staatliche Zuschüsse.“ Inzwischen fast falsch: Seit Gründung der Trägerstiftung vor 5 Jahren durch 19 Privatpersonen (inzwischen haben sich 8 weitere angeschlossen, darunter auch SFCD-Mitglieder) ist die PBW nicht mehr in staatlicher Trägerschaft und erhält auch nur noch in begrenztem Umfang staatlichen Zuschüsse, sondern muß sich zum großen Teil selbst finanzieren. Der Kapitalanteil des Stiftungsvermögens beträgt etwa 900.000 Euro, der Jahresumsatz jedoch etwa eine Million Euro – die Erträge des Stiftungskapitals decken also nur einen kleinen Bruchteil der jährlichen Kosten. Die PBW muß also Geld verdienen, dazu gibt es unter anderem Verträge mit staatlichen Stellen, für die Leistungen erbracht werden, z. B. Unterrichtsmaterialien und Lehrerfortbildungen. Es gibt auch Kooperationen mit der Industrie, beispielsweise das Projekt Future Life, bei der SF-Ideen auf reale Umsetzbarkeit überprüft werden.

Gerücht: „Die PBW ist die größte Bibliothek ihrer Art auf der Erde.“ (Fast) richtig. :-) Die PBW als öffentlich zugängliche, auf Phantastik spezialisierte Bibliothek ist in Deutschland einzigartig, in Europa die größte und auf der Erde etwa gleichauf mit der Eaton Collection in Riverside, Kalifornien, U.S.A. Da diese sich vor allem auf Science Fiction spezialisiert hat, während die PBW alle Sparten der Phantastik gleichberechtigt sammelt, könnte man sagen, daß die PBW die größte phantastische Bibliothek auf der Erde ist.

Ich kann jeder und jedem Interessierten nur empfehlen, hinzufahren und die PBW selbst in Augenschein zu nehmen! Informationen und Anfahrthinweise (nicht dem Navi glauben!) finden sich auf https://www.phantastik.eu/ oder per Post an die Phantastische Bibliothek Wetzlar, Turmstraße 20, 35578 Wetzlar, Tel. 06441-4001-0, Fax 06441-4001-19.

Martin Stricker
Beirat im Vorstand des SFCD

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