Star Wars – The Last Jedi: Filmkritik

Die Macht ist stark…und zwar seeeeeehr STARK! Star Wars ist zurück…und es ist grandioser als je zuvor. Im Gegensatz zum Epi IV-Story-Wideraufguss Epi VII erleben wir hier eine komplett neue Handlung mit zahlreichen Zitaten (das braucht der Fan halt), aber auch wahnsinnig vielen neuen Ideen, Aliens, Planeten, Raumschiffen, etc., die sich in ihrer Gänze vielleicht erst beim zweiten oder dritten Anschauen erschließen. Und man darf sich über zahlreiche „echte“, also nicht animierte, Creatures freuen, was dem ganzen einen eher handgemachten, plastischen Charakter verleiht. Überraschen wird eine Reihe Cameo-Auftritte, wobei auch neu eingeführte Figuren aus dem letzten Film eher zum Cameo herabgestuft werden. Selbst satte 2,5 Stunden scheinen im Star Wars Universum zu wenig zu sein, um der Vielzahl beliebter Charaktere würdige Auftritte zu verschaffen. Schade, man hätte doch von manchem mehr gesehen. So muss es gelegentlich für einen „Aha“-Moment reichen. Es ist eben schwierig, ein ganzes Umversum in einen Film hineinzupacken.

Klar, es gibt auch hier gemäß dem Titel der Filmreihe jede Menge Raumschlachten und Krawall, aber es ist halt der Krieg der Sterne und wer hier Kuschel-SF erwartet, schaue lieber bei den Kollegen von Star Trek vorbei (wobei sich das ja im Moment auch rapide ändert).

Hier wird deutlich: Star Wars ist und war schon immer für die große Leinwand gemacht. Kaum ein SF-Epos fesselt mit solch epischer Breite und Darstellung, wie die Skywalker-Saga. Und das wird auch in Epi VIII genüßlich zelebriert. Ich denke, zahlreiche Einstellungen wird man als Poster wiederfinden. Mal ehrlich: wir lieben doch Star Wars genau deshalb, oder? Und, wie schon gesagt, die Macht ist mit Macht zurück. In Epi VII doch stark vernachlässigt, gibt es hier einen recht ausführlichen Exkurs in Sachen „The Force“, weit abseits vom Midichloridingsbums-Unsinn aus „Die dunkle Bedrohung“.
Für unsere Kostümliebhaber aus den einschlägig bekannten Star Wars Fangruppen gibt es unzählige neue Schnittmuster und das Merchandisinggeschaäft wird durch eine ganze Legion neuer Fahrzeuge und Figuren angekurbelt. Also alles wie gehabt. Und wer Hightech-SF erwartet, wird hier dem starwarsigen Schrottdesign folgend, mit reichlich Kippschaltern, Schaltkästen und Leitungssträngen bedient. Großartiger technischer Fortschritt hat hinter den Wandverkleidungen wohl nicht stattgefunden… :-D

Deutlich mehr Platz eingeräumt wird den Dialogen. Mal spitz, mal witzig, mal philosophisch, füllen sie die Zeit zwischen Geballer und Weltraumaction und sorgen dafür, dass die gebotene Tour de Force den Zuschauer nicht allzu erschöpft aus dem Kino entlässt. Für den Jungfan mag „zuviel Gelaber“ spannungstötend sein, für mich wars zwischendurch immer mal eine willkommene Gelegenheit durchzuatmen und dabei etwas mehr über die Motivation unserer Protagonisten zu erfahren.

Ach ja, man soll nicht denken, die Handlung sei nach diesem Film irgendwie zu Ende und in Epi IX würde einfach nur ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Da gibt es eine ganze Reihe offener Handlungsstränge, die mit Sicherheit erst im neunten Film aufgeklärt werden. Und ich empfehle für manche Szenen Papiertaschentücher bereitzuhalten. So einige Momente waren für mich als Fan doch sehr emotional. Gerade wenn man ja weiss, dass Carrie Fisher nicht mehr unter uns weilt.

Fazit: 9 von 10 Punkten und vor allem: Oscar für die Ausstattung…der jährliche Weihnachtsbesuch von alten (und neuen) Leinwandbekannten, auf die man immer schon sehnlichst wartet. :-)

Roger Murmann

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